Tobias Fox im SEO Experten Interview

tobias-fox-150x150Heute im SEO Experten Interview Tobias Fox. Tobias kann man nicht beschreiben, Tobias Fox muß man einfach erleben. Meine ersten Kontakte habe ich auf dem SEO-Day in Köln. Es gab einen bleibenden Eindruck. Was genau passiert ist, bleibt an dieser Stelle unausgesprochen…

Hallo Tobias,
ich muss gestehen ich bin immer noch ein wenig beeindruckt von unserer letzten
Begegnung auf dem SEO DAY. Ich werde das jetzt aber nicht weiter ausführen.
Stattdessen freue ich mich, dass Du mir ein paar Fragen beantwortest.

Tobias, seit wann beschäftigst Du Dich mit dem Thema SEO?
Erste Berührungspunkte mit SEO hatte ich 2005. Damals habe ich einen zweitägigen, energetisch motivierenden Performancemarketing-Vortrag an meiner Hochschule besucht. Dieser Vortrag gab einen entscheidenden Impuls, der das Feuer meiner Onlinemarketing-Leidenschaft entfacht hatte. SEO und Onlinemarketing waren ab diesem Zeitpunkt nicht mehr aus meinem Kopf zu kriegen. Mir war klar, dass ich beruflich genau das machen möchte. Der Spaßfaktor am Erstellen einer Website, Texten eigener Inhalte und Beobachten von Rankings und Traffic mit meinem ersten WordPress-Blog war großartig. Das Ausprobieren, Texten, WordPressen etc wahnsinnig viel Spaß gemacht hat. Nach meinem Studium 2007 bin ich im E-Commerce als Berufseinsteiger gelandet und habe Onlinemarketing von dank zweier, sehr fähigen Mentoren praxisnah und theoretisch vertiefen können. Seit 2010 bin ich bei VERDURE einer Full-Service Internetagentur in Stuttgart und darf mich hier im Onlinemarketing mit Fokus auf SEO austoben.

Du hast mir erzählt, dass Dich die Videoerstellung besonders fasziniert. Warum gerade
Video?

Die Faszination Video ist für mich im Rahmen meines Studiums entstanden. Vom ersten bis letzten Semester war ich im Hochschulfernsehen (Campus TV GLF) vor und hinter der Kamera immer wieder tätig, weil mich die gesamte Videoschiene sehr interessierte. Ob Technik, Konzept oder Schntit – ich habe alles Wissen aufgesaugt, was ging. Ich hatte im ersten Praxissemester sogar die Chance bei der Bavaria Film in München im 6-monatigen Praktikum wertvolle Erfahrungen von Profis zu sammeln in Bezug auf Videokonzeption, Pre- und Post-Produktion und vielem mehr. War eine geile Zeit, die ich niemals missen möchte.

Aus Onlinemarketing-Sicht sind Videos natürlich sehr interessant – warum?

Gemessen am Content-Gesamtaufkommen im Netz sind Videos in vielen Branchen noch immer einzigartig bzw. sehr selten. Videos bieten den Vorteil, dass sie sehr emotional sind, authentisch wirken und viel Nähe zulassen. Zusätzlich bleibt die audio-visuelle Aufnahme von Inhalten nachgewiesenermaßen länger im Kopf. Kurzum: Gut gemachte Videos rocken!

Was rätst Du Einsteigern? Wie können Sie kostengünstig mit eigenen Videos durchstarten?

Mein Tipp: Legt Euch eine vernünftige Spiegelreflex-Kamera (ich habe sehr gute Erfahrung mit einer Canon 550-D gemacht) zu und ein gutes, externes Mikrofon (bspw. Rhode NTG2). Der Vorteil der Spiegelreflex-Kamera sind die Objektive. Ihr könnt zwischen Tele- und Weitwinkel hin- und herwechseln und seid damit flexibel je nachdem wo Ihr aufnehmt. Ein guter Sound ist absoult wichtig – nichts ist schlimmer als Interviews, Vorträge oder Gespräche aufzuzeichnen, wenn der Sound kratzig, schrill oder zu hallig klingt. Denkt dabei immer an “Great Content” und wie Ihr diesen in einem Video erwarten würdet.

Was sollte strategisch bei Videos beachtet werden?

Wer mit Videos loslegen möchte, sollte sich zunächst eine wichtige Frage stellen. Was will ich eigentlich erreichen? Welchen Mehrwert muss ich erzeugen und was sind meine Messgrößen, um den Erfolg der Videos anschließend zu messen? Seht es wie ein Projekt, das einen Start- und Endpunkt hat, sowie viele Meilensteine dazwischen.

Bevor man gedrehte Videos veröffentlicht, empfehle ich ein stimmiges Branding-Konzept zu entwickeln. Habe ich ein Logo und/oder einen Claim, der immer wieder einblendet? Gibt es ein einheitliches Intro oder Outro, damit meine Videos einen Wiedererkennungseffekt haben? Damit man den Videodreh skalieren kann, empfehle ich einen sauberen Prozess, der für Euch den Dreh, die Materialsichtung sowie Schnitt / Postprodukion und Veröffentlichung so effizient wie möglich macht. Mir bereitet beispielsweise das Interviewen selbst am meisten Freude, daher habe ich einen Weg gefunden die Nachbereitung so effizient und kurz wie möglich zu halten. So habe ich teilweise über 30 Videointerviews an einem Wochenende aufgezeichnet und konnte die in sehr kurzer Zeit im finalen Format mit Intro/Outro und Bauchbinden bereitstellen. Wenn Ihr grafisch nicht der Brüller seid, dann schaut zu, dass Ihr jemanden fragt, der sich damit auskennt. Nichts ist schlimmer, als wenn Ihr viel Zeit (Geld) reinsteckt und durch einen kleinen Fehler der Erfolg nicht eintritt. Das kann schon an einem schlechten Intro, krisseligem Bild, Tonfehler und vielen anderen Kleinigkeiten liegen.

Sollten Videos auf Youtube oder auf eigenen Servern gehostet werden? Oder wo sonst
würdest Du das empfehlen?
Das kommt darauf an, wo die Prioritäten liegen oder wo sich meine Zielgruppe befindet. Youtube ist nach wie vor die zweitgrößte Suchmaschine der Welt und es tummeln sich täglich Millionen von Menschen dort – sicherlich auch jede Art von Zielgruppe. Youtube hat super Statistiken und enorm viel Traffic und ist vom sozialen Charakter her unheimlich ausgeprägt. Kommentare, Linkes, Channel-Subscriptions, … alles vorhanden.

Wer Funktionen im Videomanagement individuell steuern möchte, der soll sich mal Wistia.com oder Vimeo.com anschauen. Möchte ich Videos nur nach E-Mail Adressabgabe abspielen lassen, oder möchte ich meine Videos passwortgeschützt anbieten, das sind individuelle Fragen, die mit Youtube nicht immer funktionieren. Wenn mir wichtig ist, dass möglichst viele Nutzer meine Videos sehen, dann würde ich Youtube empfehlen. Die kritische Masse und der Traffic ist dort mit Abstand am größten. Möchte ich aber Exklusivität und meinen Zuschauern die Videos ausschließlich auf meiner Website zeigen, dann würde ich Vimeo bzw. Wistia als Anbieter in Betracht ziehen. Es gibt zahlreiche Lösungen, einfach mal die Suchmaschine anwerfen.

Welchen Stellenwert schreibst Du Videos im Bereich SEO zu?

Je nach Branche und Themenbereich würde ich Videos wie vorab erwähnt immernoch als “Unique Selling Proposition (USP)” im Content Marketing oder im E-Commerce einstufen. Kurzum: In vielen Branchen gibt es noch keine geilen Videos, sondern “nur” Text mit Bild. Wenn meine Mitstreiter noch keine Videos haben und ich damit den Mehrwert deutlich steigern kann, würde ich den Stellenwert sehr hoch einstufen. Mit sehr guten Videos kann ich außerdem Links magnetisch anziehen und dadurch meine SEO-Sichtbarkeit steigern. Mit Videos könnt Ihr die Verweildauer auf Landingpages nachweislich steigern, was aus Usability-Sicht und im Hinblick auf eine optimierte SERP-Bouncerate sicherlich gut funktionieren kann. Und zusätzlich sind Videos eine Möglichkeit meine Snippets anzureichern und somit wieder meine Klickrate in den Suchergebnissen positiv zu beeinflussen. Kurzum: Videos im Bereich SEO sind gut als Content Marketing Mehrwert, Optimierung der Verweildauer und zusätzlich als Rich-Snippet-Optimierung.

Erfolgreiche Beispiele mit gezieltem Einsatz von Videos in unserer Branche sind die Jungs von SEOmoz mit dem Whiteboard-Friday (absolute Empfehlung gerade für SEO-Neueinsteiger) genauso wie Google, die Matt Cutts mit Webmaster-Tipps und Nebelkerzen versorgen :) Im Viralen Marketing haben die “Will it blend”-Videos einen wahnsinns Erfolg gehabt.

Wo finden Einsteiger Informationen zum Thema Video Erstellung und Video SEO?

Seit über 10 Jahren bin ich Fan von Slashcam. Die haben super Content, viele Hilfeseiten und ein geniales Forum. Die Jungs helfen Euch gerne weiter bei Euren Fragen rund ums Video.

Was ist der Trend in der Betrachtung von SEO in den nächsten 2 Jahren, bzw. wohin wird die Entwicklung gehen?

Kurz bis mittelfristig wird es darum gehen OnPage alle wichtigen Ranking-Faktoren zu berücksichtigen und mit zielgruppenspezifischem Content sowie optimierter Usability meine Nutzer glücklich bis zur “Success-Seite” zu bewegen. Mobile Commerce und mobiler Traffic wird zusätzlich spannend, ich habe Projekte mit deutlich über 50% mobilem Traffic – das ist schon verrückt!

Eine Art von Link wird immer wichtig bleiben. Derjenige Link, der auch relevanten Traffic auf meine Seite bringt. Ich bin überzeugt, dass die meisten Links in 5-7 Jahren keinen spürbaren Einfluss mehr auf die Sichtbarkeit haben werden. Wenn überhaupt, dann der darüber generierte Traffic. Die Inhalte und die Interaktion der Nutzer mit meiner Seite werden immer wichtiger – User Centric Design / Usability und Content. Wie häufig interagiert der Nutzer mit meinem Inhalt, wo im Netz auf welchen Plattformen und Apps tummelt er sich und wie erreiche ich ihn dann, wenn er gezielt nach etwas sucht. Dabei ist an erster Stell nicht nur Google gemeint. Bei jeder Art von Suche möchte ich als SEO die Ergebnisse zu meinem Vorteil optimieren. Die Marktentwicklung der Suchmaschinen könnte evtl durch die Windows-Phones positiv für BING ausfallen. Aber das sehen wir erst in 2-3 Jahren, wohin der Trend gehen wird.

Thema Linkaufbau, was sind Deiner Meinung nach die wichtigsten Quellen und was geht
gar nicht mehr?

Als wichtige Quellen stufe ich reichweitenstarke Portale oder Newsseiten sowie Blogs und themenrelevante Foren oder Privat-Websiten mit einer gesunden Domainauthority. Links sollten aus dem Content sein und idealerweise zusätzlichen Traffic bringen und die Linkquelle (Artikel oder Blog) sollte zusätzlich soziale Interaktionen aufweisen können. Das sind dann gute Links, die noch gut funktionieren. Was sicherlich nicht mehr geht ist monotones Linkbuilding ausschließlich mit harten Ankertexten oder aus rein öffentlichen Quellen (poor Bookmarks, poor Artikelverzeichnisse, poor Webkataloge, …).

Dein Tipp für mehr Reichweite. (Guter content wird vorausgesetzt)

Zusätzliche Reichweite funktioniert dann, wenn ich meinen hochwertigen Content (evtl in Form enies Linkbaits) mit Social Media ideal verbinde. Und zwar so, dass ich durch das Teilen meiner Fans weitere Leser und zusätzliche Links generieren kann. Zusätzliche Reichweite in Form von Kooperationen mit Partnern, Lieferanten oder Experten kann auch sehr gut funktionieren. Mit ein wenig Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Mein Geheimtipp: Mit einem Experten-Interview in Eurem Themenblog oder einem Gastsprecher in Eurem Podcast könnt Ihr ganz einfach zusätzliche Reichweite generieren. Malte macht es hier bei Klick-It.de schon richtig vor.

Dein Tipp für erfolgreiches Networking

Mein Geheimtipp ist ganz einfach. Bitte ehrlich, authentisch und selbstbewusst bleiben. Dann kommt alles von ganz alleine. Ich persönlich bin ein sehr guter Zuhörer und liebe gute Gespräche. Darüber hinaus würde ich mich als extrovertiert bezeichnen, was oft zu positiven Netzwerkeffekten geführt hatte. Man kommt leichter ins Gespräch, wenn man auch mal einen Witz erzählt…  Wer das Gefühl vermittelt Wissen abgreifen zu wollen, ohne etwas zu geben, der wird nie weit kommen bei den guten SEOs. Wenn Ihr netzwerken wollt, dann tut es einfach! Ein kleiner Geheimtipp am Rande.

Die Frage, die jeden Neueinsteiger beschäftigt: Was ist wichtig, um Anschluss in der
„gehobenen“ SEO Szene zu bekommen?

Was bitte ist denn die “gehobene” SEO-Szene? Sowas gibt es in meinen Augen nicht. SEOs so bekannt oder unbekannt sie sein mögen, sind Menschen wie Du und ich. Was in meinen Augen ganz wichtig ist, sind soziale Kompetenzen. Kann ich gut zuhören, möchte ich mich sinnvoll und respekvoll in Diskussionen einbringen und ticke ich sozial ähnlich wie die meisten SEOs? Besonders wichtig in der SEO-Welt ist der Trust, den ich ausstrahle oder den ich authentisch lebe. Wenn mir keiner abkauft, dass ich vertrauenswürdig bin und Infos für mich behalten kann – dann wird Dir ein erfolgreicher SEO wohl niemals ein Geheimnis anvertrauen oder erzählen was noch wie funktioniert. Ob white, grey oder black hat.

Mein Tipp: Seid offen, ehrlich und konstruktiv und lass es andere spüren, dass Ihr leidenschaftlich Bock habt auf SEO und auf andere SEOs. Bringt etwas ein in die Szene und zeigt Euer Gesicht – die Zeit des Versteckens ist vorbei – dafür ist das Netz zu transparent geworden. Wenn Euch Netzwerken am Herzen liegt, dann lebt es schlicht und ergreifend aus. Wer etwas für die Szene tut (geile Sessions halten, freiwillig Links auf Blogartikel setzen, ReCaps verfassen, Social Sharings, ehrliche SEO-Tipps sharen, Videos, Interviews, …) und sich aktiv einbringt, der wird sicherlich schneller Anschluss finden. Wer nur Wissen abgreifen will, wird von den meisten Leuten schnell ignoriert werden.

Warum wird Deiner Meinung nach in Deutschland so wenig in Blogs und Webseiten verlinkt und kommentiert?

Eine fantastisch gute Frage, die ich versuche aus meiner persönlichen Empfindung zu beantworten. Der große Link- und Sharing-Geiz in Deutschland liegt vor allem an der Mentalität der Deutschen. Die Vielzahl der Webmaster sind auf Ihren Vorteil fokussiert und denken primär ans Geld verdienen. Außerdem hat man eine große Angst, dass man dem Wettbewerber etwas gutes tun könnte.

Was waren für Dich die wichtigsten SEO / Social Media Ereignisse 2012?

Karl Kratz mit WDF*p*IDF und natürlich das Pinguin-Update. Außerdem macht mir Google Analytics mit “(not provided)” seit 2012 nicht mehr halb so viel Spaß wie zuvor. Hat hier jemand einen guten “Workaround” parat? Den scheint es nicht zu geben. Im Bereich Social Media war 2012 für mich nicht ganz so spannend wie SEO, daher sag ich mal …. HARLEM SHAKE! :)

Zuletzt bitte ich Dich um 1 Geheim-Tipp aus dem Bereich Social Media Marketing
Mein Geheimtipp: Social Media ist kein Sprint, sondern ein Marathon! Dran bleiben :)

Über Malte Koj 43 Artikel
Seit 1998 bewege ich mich durch die Gefilde des online Marketings. Ich bin Vater zweier Kinder und glücklich verheiratet. Hier im Blog gebe ich gerne Tipps und Tricks zu SEO & SEA.

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